Bye, bye github

Schon als ich das erste Mal die Nachricht gelesen habe, daß sich Microsoft verstärkt in Sachen „Open Source“ engagieren will, hat mich das stutzig gemacht.
Gerade der Konzern, der Linux in seinen Anfangstagen nur müde belächelt hat und Anfangs nichts Besseres im Sinn hatte, als dieses kleine Pflänzchen gar nicht erst groß werden zu lassen.

Der Urheber von Linux ist trotzdem immer noch Linus Torvalds.

Die Marktstrategie, die Microsoft neuerdings einschlägt, scheint hingegen wirklich perfide. Microsoft ist mit closed sourced Software (Software, deren Quellen nicht frei verfügbar sind) zu einem riesigen Konzern geworden. Die OpenSource Gemeinde hat sich nie (und wird es auch weiterhin NICHT) von dem Gebahren der Führungsriege bei Microsoft einschüchtern lassen.

Der Taktikwechsel scheint nun dahin zu laufen, das Microsoft die „armseligen“ Opensourcler einfach vor seinen Karren spannt und schlichtweg alle profitablen Filetstücke inclusive einer immensen Anzahl unschätzbarer Quellen aufkauft.

Mit dem Erwerb der Platform github, auf der sich sehr viele echte OpenSource Anhänger wiederfinden, hat Microsoft der OpenSource Gemeinde einen doch recht schmerzhaften Hieb versetzt. Viele sehr spannende, quelloffene Software-Projekte finden sich dort wieder. Es ist ein Pool, in dem sich die Riesen (Google, Facebook, Microsoft, etc.) tummeln, aber auch Micro-Organismen so wie meinereiner.
Seit gestern ist aus dem (Swimming)Pool ein Haifischbecken geworden.

Nun ist es ja eine Binsenweisheit, daß wenn erst einmal so ein Riesendeal wie die Übernahme von Github an Microsoft über die Bühne gegangen ist, die Finanzen eine immer größere Rolle spielen.

Die Einführung von Softwareprogrammieren erster, zweiter und dritter Klasse ist somit de facto eingeleitet.
Das Prinzip ist so simpel, wie die Konsequenzen schmerzhaft sind. Wer viel Geld hat, kauft sich das Know How, wer wenig oder gar nichts hat, darf mit dem, was vom Teller der Großen gefallen ist, zurecht kommen.

Das Auseinanderklaffen der Schere zwischen Arm und Reich hat wieder einen neuen Höhepunkt erreicht.

Seit 18 Jahren arbeite ich nun in einer reinen Linux Umgebung. Open Source ist DAS Werkzeug, um in die ansonsten verborgenen Mechanismen einer komplexen Software schauen zu dürfen. Open Source ist bisher auch kostenlos für die meisten Großprojekte (Distributionen etc,) verfügbar. Das heißt, auch mittellose oder wenig verdienende Programmierer können auf Resourcen zugreifen, die ihnen ansonsten durch hohe Kosten verwehrt wären.
Wenn dieser neue Trend so rasant weiter wächst wie bisher, wird es keine Aufstiegschancen für Kinder aus einfachen Familien im IT-Bereich mehr geben.

Gerade mit der rasant ansteigenden Bedeutung der MINT-Fächer in unseren Schulen wird diese Entwicklung sich nachhaltig negativ auf die Ausbildung unserer Kinder auswirken.

Das ist mehr als traurig. Vielleicht müssen wir dann demnächst auch ganz hinten im Bus sitzen. Zumindest weiß man dann endlich einmal, wie sich so etwas anfühlt.

In diesem Sinne halte ich diesen Artikel von Jaques Mattheij

https://jacquesmattheij.com/what-is-wrong-with-microsoft-buying-github

und diesen auf Heise für sehr lesenswert

https://www.heise.de/newsticker/meldung/GitHub-Entwicklergemeinde-in-Sorge-ueber-Ausverkauf-an-Microsoft-4068008.html

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