Am Rad drehen …

Heute habe ich gelernt, dass es in Düsseldorf schon mal zur Krux werden kann, wenn man etwas Vierteln läßt. So geschehen heute morgen in einer renommierten Bäckerei gelegen unter der Obhut eines großen Daches für Frischgemüse-Großhandel auf steiler Höh‘.

Namen seien hier nicht genannt, das es ja bekanntermassen auch beim meisterlichen, chinesischen Go-Spiel verpönt ist, den Partner das Gesicht verlieren zu lassen, wenn man gewonnen hat (etwas, das die Erfinder der AI [künstlche Intelligenz] vielleicht noch nachprogrammieren sollten).

Beim Kauf eines „Schweizer Krustenbrotes“ las ich das Preisschild mit 7,20 Euro. Der für schweizerische Verhältnisse ja recht normale Preis erschien mir dann doch für Düsseldorfer Gefielde etwas zu hoch.

Da wir uns gerade in der Fastenzeit befinden und die Lutherschen Begebenheiten sich zum 150. Mal jähren, habe ich es mit der im Mittelalter wohlbekannten Methode des  Vierteilens probiert. Die eigentliche Krux bei diesem Versuch traf mich dann wie ein Bummerang: Statt des erwarteten Preises von 1,80 Euro strafte mich die ritterliche Gestalt in Form einer Bäckerei-Fachangestellten mit einem Preis von 4,44 Euro und ein heimliches Lächeln der Kolleginnen aus der Backstube verriet mir, dass mich das Schwert, dass ich führen wollte, nun selbst getroffen hat. Man drehe das Rad der Geschichte nur um ein junges Erwachsenenleben zurück und wage es, in D-Mark Zeiten zu denken. 4,44 Euro entsprachen damals etwa 8,88 DM. Bei solchen Preisen hätte sich jeder Bäcker selbst das Schwert in den Leib gerammt und hin-und her gezogen, denn keiner hätte damals je einen Laib Brot bei ihm gekauft. Es wäre also ein garantierter Freitod gewesen.

Des Rätels Lösung: Der Preis bezog sich nicht auf das Stück Brot, sondern auf das Gewicht desselben. Es war schlichtweg der Kilopreis für das Brot in lutherischer Manier angeschlagen.

Man sollte daher Adleraugen beim Einkauf mitnehmen. Der tröstende Satz der Ritterin im weißen Gewand, ääähhh, der Bäckereifachverkäuferin, dass ich nun ja für’s nächste Mal Bescheid wisse, läßt mich nachdenken:

Soll ich nun froh sein, dass wir nicht mehr in den alten Zeiten Leben und somit keiner von uns mehr vom Freitod bedroht ist, oder soll ich einfach das nächste Mal ein Opernglas mitnehmen, um alles, was festgenagelt ist, mal ganz genau unter die Lupe zu nehmen, bevor ich irgendwelche Besitzansprüche stelle???

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